>> vorwärts 09/2003 - Seite 6 & 7 <<

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„JUBILAREEHRUNG UND GAUTSCH IN GOLLING"
Gesellen der Druckereien Druckzentrum Salzburg, Salzburger Druckerei, Laber-Druck/Oberndorf, AGI Media Packaging/Siezenheim und Ortmann-Druck/Ainring b. Freilassing, unterzogen sich dabei diesem alten Brauch.


Trotz des schlechten Wetters waren Dutzende Zuschauer Zeug der zünftigen „Wasser tauff" (Bild oben).-Bewährte sich auch beim Prägen einer Gedenkmünze-DJP Vorsitzender Franz Bittner (Bild rechts)

 

 

Ehrsame Kollegen und Junioren, also haben wir den heutigen Tag erkoren zu einer Gautschung nach altem Herkommen unseren Jungen und unserer Zunft zum Frommen.
So habet fein acht, was selbig' Ceremonie bedeutet: Hiermit wird den Gesellen ein reinigend Bad bereitet, daß mit dem Wasser getilget werd' aller Lehrbuben Misere und Beschwerd, so über kund gewordene Missetaten ehrsame Gesellen in heiligen Zorn geraten.
Auch weil das giftig Blei und die leidig Druckerschwärz' faciliter rinnet ins Bluet und drucket aufs Herz. Auch daß sie nit fallen ins Saufen und Prassen -das sollen sie füglich den Alten lassen.
Auch daß sie nit in tentationes geraten als Lästermäuler und Teufelsbraten.
Auch daß sie allzeit in Ehren und Züchten
ihren Blick auf das Weibsvolk richten und nit vor lauter Tänzeln und Scharmutzieren
ihr letzt Quentlein Verstand verlieren.
Auch daß sie nit mit argen Listen und Tücken sich etwa vom ehrlichen Gautschtrunk drücken. So taufen sie wir denn in Gutenbergs Namen in diesem zunftgetreuen und würdigen Rahmen zu ehrsamen Gesellen des Buchdrucker-Handwerks.
Amen.

Nachstehend genannte Kolleginnen wurden für ihre jahrzehntelange Gewerkschaftstreue ausgezeichnet:

Bild 1) 70 Jahre- Egger Rudolf, Reiche Oswald, Stemeseder Michael
Bild 2) 50 Jahre - Winter Helmut, Mitterer Gottfried, Friedl Herbert

Bild 3) 40 Jahre - Drevo Ernst, Weidner Kurt, Hechenberger Georg
Bild 4) 25 Jahre - Vranjanin Slobodanka, Banjac Sofija, Dobernig Gerhard

Mit diesem Spruch begann am 31. August dieses Jahres der Gautschmeister die Freisprechfeier der „Jünger Gutenbergs" im festlich dekorierten Hof der Burg Golling in Salzburg.
Gautschen - so die Überlieferung - heißt im ursprünglichen Sinn: bei der Papiererzeugung den Papierbrei zum Abseihen des Wassers in ein Sieb zu schütten und durch Schaukeln dabei das Wasser entfernen.
Das Gautschen eines Ausgelernten ist eine dem Postulieren (dieses wurde bis um 1800 als Freisprechung durchgeführt) entlehnte mildere Form der Freisprechung. Dabei wird der Kandidat unter viel Aufhebens auf einen nassen Schwamm gesetzt, aus einem Kübel wird ihm über das Haupt Wasser gegossen. So wird er - der Überlieferung nach - von den „Sünden" der Lehrzeit gereinigt. Die Gesellen der Druckereien Druckzentrum Salzburg, Salzburger Druckerei, Laber-Druck/Oberndorf, AGI Media Packaging/Siezenheim und Ortmann-Druck/Ainring b. Freilassing, unterzogen sich diesem alten Brauch, der seit dem Jahr 1473 nachweislich durchgeführt wurde. Lediglich in der Nazizeit - so unterrichtete uns ein Jubilar - war die Durchführung dieser Tradition bei Strafandrohung strengstens verboten.
Gollinger Wasserspiele
Doch nass wurden bei dieser Veranstaltung nicht nur die Gäutschlinge selbst, auch die Besucher wurden vom Nass nicht verschont. Regnete es doch so stark, dass man meinen konnte, der Wettergott kenne an diesem Tag nur Golling ...
So wurden aus der ehrsamen „Tauff die „Gollinger Wasserspiele", zum Missfallen der Brauerei und der sehr bemühten Veranstalter. Dennoch, die Zuschauer und Gäutschlinge nahmen es gelassen. Wissend, dass die AK Salzburg und die DJP-Landesstelle gleich danach in einem wohltemperierten Saal zu Speis und Trank luden um gemeinsam mit den Jubilaren den zweiten Höhepunkt dieser Gewerkschaftsveranstaltung begehen zu können.
Gewerkschafstbewegung notwendiger denn je!
Gewerkschaftsvorsitzender Franz Bittner, der die Veranstaltung besuchte, nahm die Gelegenheit wahr, um bei der Mitgliederehrung auf die wichtige Rolle der Gewerkschaften in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart hinzuweisen.
Gebe es nicht unsere unerschrockenen Vorkämpfer - so Bittner zu den Jubilaren —, die sich zu einer Zeit solidarisierten, wo sie der Bespitzelung und der Verfolgung ausgesetzt waren, und gebe es nicht die mutigen Kolleginnen, die sich mit Kraft und Überzeugung für die Rechte der Arbeitnehmerinnen aktiv über Jahrzehnte einsetzten, würde es heute mit der Gewerkschaftsbewegung in Österreich schlecht aussehen. Dennoch, gerade in den letzten Wochen und Monaten haben die Gewerkschaftsbewegung und Hunderttausende
Arbeitnehmerlnnen den Mächtigen in diesem Land gezeigt, dass man über ihre Interessen nicht einfach drüberfahren darf. Hätte es nicht die starken Gewerkschaften und den ÖGB gegeben, so wäre die vom Parlament beschlossene Pensionsreform noch schlimmer ausgefallen.
Wollen wir - so Bittner weiter - die soziale und wirtschaftliche Sicherheit der arbeitenden Menschen in diesem Land tatsächlich für die Zukunft sicherer machen, sei es unabdingbar, dabei nicht nur auf die eigene organisatorische Stärke zu schauen, sondern auf allen Ebenen entsprechende politische Weichen zu stellen. Der Gewerkschaftsvorsitzende als auch Landesvorsitzender Helmut Schenk bedankten sich namens der Gewerkschaft mit tiefempfundenen Worten bei den Jubilaren für deren jahrzehntelange Gewerkschaftstreue und sahen in ihnen beispielhafte Vorbilder im Kampf für Gerechtigkeit und sozialen Fortschritt.


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